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Der Name
"Ramat Rahel"

chirbet-salich
Kathisma
Netopha
Beth-hakerem
Mamschit
Herberge des Kimhan
 

Geschichte der Ausgrabungen

1926 Gründung Kibbuz
1931 Survey
1954 Notgrabung
1959-1962 Aharoni
1984 Barkay
2005ff Lipschits/Oeming

 

Der Name "Ramat Rahel"

 

Der Name Ramat Rahel (= "Anhöhe Rahels") kommt in der Bibel nicht vor. Er wurde erst im 20. Jahrhundert von den Gründern des Kibbuz 1926 "erfunden". Sie wollten damit an das in der Nähe gelegen Grab Rahels anknüpfen, aber auch an Jer 31,15 erinnern: "Rahel beweint ihre Kinder. Sie will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder, weil sie nicht mehr da sind."  Mit dem Kibbuz, sind die Kinder Rahels zurück und Stammmutter Israels kann den Trost empfangen, den sie so lange entbehrte. Heute steht vor dem Hotel eine Statue von Rahel, die ihre Kinder tröstet.
Welchen Namen aber hatte der Ort in der Antike? Das ist in der Forschung umstritten. Unterschiedliche Hypothesen und Methoden der Auffindung konkurrieren miteinander:

1. chirbet-salich / chirbet abu brek
Beliebt und häufig hilfreich ist die Methode, aus dem traditionellen arabischen Namen Rückschlüsse zu ziehen: Die bis ins 20. Jahrhundert übliche Bezeichnungen lauteten chirbet-salich (= "Ruine des Salich / Gerechten (?)") und chirbet abu brek ("Ruine mit dem kleinen Teich"). Dazu findet sich kein passender antiker Ortsname. Es ist in diesem Fall nicht möglich, daraus eine biblische Tradition abzuleiten.

2. Kathisma
400 m westlich der Ortslage im Tal liegt eine Quelle Bir Kadismu, die den Namen der antiken Kirche Kathisma (= "Sitz, Rast") bewahrt. Hier hat die hochschwangere Maria kurz vor der Geburt des Gottessohnes Wasser getrunken.

3. Netopha (Benjamin Mazar)
In der Liste der Rückkehrer Esra 2,21-28:   21 die Männer von Bethlehem 123;  22 die Männer von Netofa 56;  23 die Männer von Anatot 128;  24 die Männer von Bet-Asmawet 42;  25 die Männer von Kirjat-Jearim, Kefira und Beerot 743;  26 die Männer von Rama und Geba 621;  27 die Männer von Michmas 122;  28 die Männer von Bethel und Ai 223; und in Nehemia 7,25-32:   25 die Männer von Gibeon 95;  26 die Männer von Bethlehem und Netofa 188;  27 die Männer von Anatot 128;  28 die Männer von Bet-Asmawet 42;  29 die Männer von Kirjat-Jearim, Kefira und Beerot 743;  30 die Männer von Rama und Geba 621;  31 die Männer von Michmas 122;  32 die Männer von Bethel und Ai.

4. Beth-hakerem („Haus des Weinbergs“) (Jochanan Aharoni)
Jeremia 6,1: Flieht, ihr Söhne Benjamin, aus Jerusalem hinaus, in Tekoa stoßt ins Horn und richtet ein Signal auf über Beth-hakerem! Denn Unheil erhebt sich drohend von Norden: ein großer Zusammenbruch.
Dagegen: Ein-Karim liegt westlich von Jerusalem. 

 

5. Mamschit (Gabriel Barkay)
Auf den zahlreichen lemäläk-Stempelsiegelabdrücken erscheinen vier Namen: Jerusalem, Hebron, Sif und Mamschit. Da die ersten drei Namen mit Ortslagen in Juda identifiziert werden können, bleibt der Name Mamschit noch übrig und es ist zu erwägen, ihn mit Ramat Rahel zu identifizieren. Allerdings gibt es im Negev eine bekannte Stadt Mamschit und die Ineinssetzung von Ramat Rahel und Mamschit erscheint daher eher unwahrscheinlich.

6. Herberge des Kimhan (Oded Lipschits)
In Jeremia 41,16f wird von einer Flucht aus Mizpa Richtung Ägypten erzählt. Dabei macht die Gruppe der Flüchtlinge Station bei einem Ort für Fremdlinge, Gerut Kimham, "der bei Bethlehem liegt". Wenn man sich die Route von Mizpa nach Süden vorstellt – wohl über die via regia – dann ist Ramat Rahel ein idealer Kandidat für solch einen Rastplatz bei Bethlehem.

 

Geschichte der Ausgrabungen

Ramat Rahel ist der Name eines Kibbuz, der 1926 gegründet wurde. Auf dem Gelände des Kibbuz befanden sich, das war bekannt, Ruinen antiker Bauwerke. Was genau, war aber unbekannt.
Schon im Jahre 1931 wurde eine Anlage von Felsengräbern am Westabhang unterhalb des Tells ausgegraben und eine Oberflächenuntersuchung (Survey) durchgeführt. Die Gruppe der Hauptfunde bildete eisenzeitliche Keramik (EZ II), zahlreiche Stücke mit lmlk-Stempeln, dazu perserzeitliche und römische Keramik (publiziert von Maisler und Shtekelis 1935; Aharoni 1956).
Die Fundstätte wurde erstmals 1954 wissenschaftlich ausgegraben, als im Rahmen der Errichtung eines Wasserreservoirs eine Notgrabung veranlasst wurde.
Diese wurde - gefolgt von vier weiteren Grabungskampagnen von 1959 bis 1962 - unter der Leitung des israelischen Archäologen Yohanan Aharoni im Auftrag der Israel Antiquities Authority in Kooperation mit der Hebräischen Universität Jerusalem und der Universität Rom (G. Garbini) durchgeführt. (zahlreiche Publikationen).
1984 wurde eine kleine Grabung von Gabriel Barkay durchgeführt, von der aber noch nichts publiziert worden ist.
Es folgten kleine Sondierungsgrabungen durch die Israel Antiquities Authority, die vor allem der Bestandsaufnahme und Konservierung der Fundstätte dienten.
Seit 2005 findet eine neue systematische Ausgrabung unter Leitung des israelischen Archäologen Oded Lipschits (Tel Aviv University) und des Alttestamentlers Manfred Oeming (Universität Heidelberg) statt.

 
 
     

 

   © 2006 by Manfred Oeming & Sven Christian Puissant •  ramatrachel@urz.uni-hd.de